Doppelsterne

Sterne lieben Gesellschaft. Zwar auf grosse Distanz. Aber es gibt nicht sehr viele Sterne wie unsere Sonne, die nicht gravitativ an andere gebunden sind. Sehr schön zu beobachten sind Doppelsterne. 

"Doppelsterne machen doppelt so viel Spaß". Im Gegensatz zu den schwachen verschwommenen Flecken, die die meisten Hobby-Astronomen bevorzugen, werden Doppelsterne nicht durch Lichtverschmutzung oder helles Mondlicht verdeckt. Sie sind nicht nur Besitzern von Riesen-Teleskopen zugänglich. Tatsächlich sind viele Prunkstücke in Reichweite von Instrumenten mit kleiner Öffnung. Ein 60-mm-Refraktor mit guten optischen Eigenschaften liefert ausgezeichnete Ansichten von Doppelsternen - insbesondere von Doppelsystemen.

Die Astronomin Sissy Haas ist die Autorin des leider vergriffenen Buchs Double Stars for Small Telescopes: Ein ausgezeichnetes Werk mit vielen praktischen Tipps und über 2000 Doppelsternen, nach Konstellationen gegliedert. Mitglieder von astronomie.online finden eine PDF-Version in E-Books & Downloads.

Mizar & Alkor
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Vier der Sterne bilden ein Viereck, den Wagenkasten. Drei weitere zeichnen die leicht geknickte Wagendeichsel nach – jene Stange, an der man den Bollerwagen ziehen oder schieben kann.

Mizar, der mittlere Deichselstern, markiert gleichsam den Knickpunkt. Er wird von den sieben Sternen des Großen Wagens vermutlich am häufigsten angeschaut, denn er gilt vielen Gelegenheitsbeobachtern als eine Art Augenprüfer. Etwa ein Fünftel Grad neben Mizar steht ein deutlich weniger heller Stern, Alkor oder – im Volksmund – das Reiterlein genannt. Wer diesen Begleiter noch nie gesehen hat, kann sich langsam herantasten.

Die beiden vorderen Kastensterne - Phecda und Megrez - stehen etwa viereinhalb Grad auseinander. Etwa parallel zu ihrer Verbindungslinie findet man über Alioth, dem benachbarten Deichselstern, ein deutlich lichtschwächeres Sternchen - 78 UMa - etwa ein Grad entfernt. Und etwa in der gleichen Richtung über Mizar, aber eben nur rund ein Fünftel Grad entfernt, steht Alkor.

Mit guten Augen kann man Alkor problemlos neben Mizar erkennen, denn der Abstand liegt weit über dem Auflösungsvermögen des menschlichen Auges, also der Fähigkeit, zwei eng benachbarte Lichtquellen getrennt zu sehen. Für gesunde Augen sind Alkor und Mizar also keineswegs eine Prüfung.

Für die Besitzer eines Teleskops bietet Mizar noch mehr: er ist selber nämlich auch ein Doppelstern und mit einem Abstand von 14'' leicht auch in kleinen Teleskopen zu trennen. Mizar war 1650 der erste Doppelstern, der mit einem Teleskop entdeckt wurde.

 
Albireo - Beta Cygni

Albireo gilt als einer der schönsten Doppelsterne überhaupt. Er ist ein himmlisches Juwel, ein Paar aus Indigo und Gold, eingebettet in den glitzernden Hintergrund der Cygnus Sternwolke. Albireo ist wegen seinen atemberaubenden Farben und seiner leicht zu findenden Lage an der Spitze des Schwans möglicherweise der am häufigsten beobachtete Doppelstern. Die 35'' voneinander getrennten Sterne sind mit einem Teleskop sehr leicht zu trennen. Aber auch mit einem Fernglas sollte es bereits möglich sein, beide Sterne zu erkennen. Falls es freihändig nicht gelingt, benutze ein Stativ, um das Fernglas zu stabilisieren.

Es ist nicht bekannt, ob die beiden Komponenten nur einen optischen Doppelstern bilden oder physisch miteinander verbunden sind. Wenn ja, würde  ihre Umlaufdauer mindestens 75.000 Jahre betragen.

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31 Cygni - Das schöne trio im Schwan

Ein tolles Fernglas-Ziel ist folgendes Trio: Der goldgelbe Stern 31 Cygni - auch als Omicron Cygni bekannt - bildet mit seinem blauweissen Nachbarn 30 Cygni ein sehr schönes Pärchen, das mit Ferngläsern leicht zu trennen ist. Etwas schwerer ist der enge Begleiter von 31 Cygni, der nur 7 Magnituden helle Stern HD 192579. Halte das Fernglas möglichst still oder besser noch: stelle es auf ein Stativ. Wenn du das Fernlas leicht unscharf stellst, kannst du die unterschiedlichen Farben der Sterne besser wahrnehmen. 

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Mesarthim - Gamma Arietis
Mesarthim - Gamma Ari

Ein Beispiel eines schönen und leicht erreichbaren Ziels mit einem kleinen Teleskop ist gamma (γ) Arietis, bekannt als Mesarthim. Es besteht aus zwei Sternen der Größen 4,5 und 4,6, in einem Abstand von 7,5 Bogensekunden. Auch ihre Spektraltypen – F9 und A1 – sind nahezu identisch. Was du siehst, wenn du in das Okular schaust, sind zwei leuchtend reinweiße Flecken, die unheimlich an die Augen einer kosmischen Kreatur erinnern, die zurück starrt. Der Anblick ist faszinierend! Doppelsterne sind am besten sichtbar, wenn sie mit einer Vergrößerungsleistung betrachtet werden, die ausreicht, um die Sterne gerade klar zu trennen. Zu wenig Vergrößerung, und das Paar wird nicht getrennt; zu viel und die visuelle Attraktivität geht verloren, da die Sterne zu weit auseinander stehen. Im Falle von Gamma Arietis solltest du es mit 50- bis 75-facher Vergrösserung versuchen. 

 
HIP 26199 - Die Freihand-Challenge

HIP 26199 (HR 1887, Struve 747, TYC 4778-1403-1)ist ein Doppelstern südlich des berühmten Orionnebels Messier 42. Mit 36'' Abstand ist er auch mit kleineren Ferngläsern trennbar. Die Herausforderung besteht darin, das Glas so ruhig halten zu können, dass das Ziel nicht zu stark zittert. Halte das Fernglas so weit vorne bei der Öffnung wie möglich (ohne die Linsen zu berühren!) und stütze die Augenmuscheln auf den Wangenknochen auf. Vielleicht kannst du die Arme auf einem Geländer stabilisieren? Wenn du den Anblick entspannter geniessen möchtest, stellst du das Fernglas auf ein Stativ. Dann versuchst du auch, möglichst viele Sterne im Trapez zu entdecken!

  1. Finde die Konstellation Orion

  2. Unter den drei "Gürtelsternen" suchst du den Orionnebel Messier 42

  3. Südlich des Nebels liegt der helle Stern Iota Ori. Etwas rechts darunter findest du das Ziel: HIP 26199 

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