ZUBEHÖR

Für die Hobby-Astronomie gibt es ein fast unendliches Angebot an Zubehör. Wenn man nicht enorm viel Geld ausgeben möchte und das Hobby nicht in eine Materialschlacht ausarten soll, ist es wichtig, beim Zubehör das unverzichtbare vom nicht unbedingt notwendigen zu unterscheiden.  Die folgende Aufzählung startet somit bei den ganz einfachen aber unverzichtbaren Sachen und arbeitet sich zur komplexeren Ausrüstung vor.

 
Licht

Stirnlampe mit Rotlicht

Wenn man im Dunkeln unterwegs ist, ist es sinnvoll, eine Lampe mitzunehmen. Heute hat man meistens ein Handy dabei, in dem natürlich ebenfalls eine Lampenfunktion integriert ist. Eine Stirnlampe bietet jedoch noch einige zusätzliche Vorteile:

  1. Man hat immer beide Hände frei.

  2. Man belastet den Akku des Handys nicht.

  3. Gute Stirnlampen bieten neben dem Weiss- auch ein Rotlicht an, das viel weniger blendet und Anpassung der Augen an die Dunkelheit nicht stört.

Orientierung
 

Ebenfalls unverzichtbar ist in der Regel eine Hilfe, um sich am Nachthimmel orientieren zu können. Dazu dient eine ganz einfache, drehbare Sternkarte, die uns, korrekt eingestelltes Datum und Uhrzeit, den aktuell sichtbaren Sternhimmel anzeigt. Um die Karte auch an dunklen Orten ablesen zu können, braucht man wiederum eine Lampe, die jedoch nicht allzu hell sein sollte.

Eine moderne Alternative zur Sternkarte sind Apps auf dem Smartphone oder Tablet. Sie brauchen nicht extra beleuchtet zu werden und liefern dem Betrachter sehr viele Zusatzinfos über den Sternhimmel. Wichtig: Das benutzte Gerät muss genau kalibriert sein, sonst stimmt der angegebene Inhalt nicht mit dem angepeilten Ort am Himmel überein.

Sehr leistungsfähige Werkzeuge, um sich am Nachthimmel zurechtzufinden, aber auch, um Beobachtungsnächte  zu planen sind Nachthimmel-Simulatoren. Mit ihnen kann auf einem Bildschirm angezeigt werden, wie sich der Himmel zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort präsentieren wird. Zwei Programme seien hier als Beispiel vorgestellt:

Stellarium

Ein kostenloses Programm für alle gängigen Plattformen (Windows, Mac, Linux), das schon enorm viel bietet und kaum Wünsche offen lässt. Mit Stellarium arbeiten wir auch an der Bezirksschule Baden.

Sky Safari Pro

Kostenpflichtig, bietet ein paar Funktionen mehr als Stellarium und die Grafiken sind noch ein bisschen ausgefeilter.

Fernglasstativ

Ein Fernglas öffnet die Türe zu ganz anderen Anblicken des Sternenhimmels als den von blossem Auge. Ein Fernglas kann nicht nur vergrössern, sondern auch viel mehr Licht sammeln als unser Auge. Und so ist das Fernglas ein wunderbares Gerät, um den Nachthimmel unkompliziert und schnell zu erforschen.

Die Vergrösserung hat jedoch auch eine Schattenseite. Mit dem Bild wird jede Bewegung, die wir machen, mit vergrössert. Auch wenn wir meinen, ganz ruhig zu stehen, wackelt das Bild im Okular sehr unruhig hin und her. So ist es schwierig, feine Details in den Objekten zu entdecken. 

Abhilfe schafft, das Fernglas auf ein Stativ zu stellen. Dazu reichen schon handelsübliche Fotostative, wie sie oft auch zu Hause schon vorhanden sind. Wenn das Fernglas mit einem Gewinde ausgestattet ist, kann man es über einen Stativadapter anschliessen. Es gibt aber auch Vorrichtungen, mit denen man jedes Fernglas auf ein Stativ bringt.  Das Bild wird ruhig und es ist möglich, viel genauer zu beobachten und viel mehr Details zu erkennen. Natürlich hat das Beobachten mit Stativ auch Nachteile. Man ist in der Bewegungsfreiheit eingeschränkt und je höher die Objekte am Himmel stehen, desto ungemütlicher wird es, da man den Kopf weit in den Nacken legen muss. 

 
 
Montierung

Mit der Montierung wird das Teleskop gehalten und bewegt. Durch sie entscheidet, wie brauchbar das Teleskop wirklich ist. Bei Beobachtungen mit hoher Vergrösserung ist jede kleine Vibration (z.B. durch den Wind) sofort sichtbar. Bei schlechten Montierungen wackelt das Bild dann so stark, dass eine vernünftige Beobachtung gar nicht mehr möglich ist. Es gibt grundsätzlich zwei Arten von Montierungen:

AZIMUTHALE MONTIERUNG:

Hier wird das Teleskop  auf einer senkrechten und einer waagrechten Achse bewegt. Es ist die einfachste Form und eignet sich für die visuelle Beobachtung, nicht aber für die Astro-Fotografie. Von der azimuthalen Montierung gibt es verschiedene Formen: einarmige Montierung, Gabelmontierung, seitliche Montierung und den Dobson mit sogenannter Rockerbox:

PARALLAKTISCHE MONTIERUNG:

 Auch hier wird das Teleskop auf zwei Achsen bewegt, aber die vertikale Achse wird so gekippt, dass sie genau zum Polarstern zeigt und somit parallel zur Erdachse steht. Die horizontale Achse führt das Teleskop nun genau der Ekliptik nach. So ist es leichter, die Bewegung der rotierenden Erde auszugleichen. Diese Montierungen werden hauptsächlich in der Astro-Fotografie eingesetzt.

Zwei parallaktische Montierungen: eine manuelle und eine computerisierte GoTo.

GO-TO MONTIERUNG:

 Beide Montierungsarten gibt es auch als sogenannte Go-To-Varianten. Hier werden die beiden Achsen mit Motoren angetrieben und durch einen Computer gesteuert. Damit können Objekte im Himmel automatisch angesteuert und verfolgt werden. Das ist unverzichtbar für die Astro-Fotografie und ist auch beim visuellen Beobachten sehr komfortabel. Ohne Go-To-Montierung lernt man den Himmel jedoch sehr viel besser kennen, da man sich selber orientieren muss!

okulare

Okulare könnte man als Lupen bezeichnen, die das vom Teleskop gelieferte Bild vergrössern. Es gibt sie in den verschiedensten Bauarten von sehr einfachen bis zu den ausgefeiltesten Linsenkombinationen. 

 

Grundsätzlich sind drei Eigenschaften eines Okulars zu berücksichtigen:

 

1. Brennweite: Diese wird in Millimetern angegeben. Je kleiner die Zahl, desto höher die Vergrösserung! Für folgende Aufnahmen des Jupiters wurden Okulare mit 30mm, 15mm und 7.5mm verwendet:

Jupiter_Verschiedene_Vergrösserungen.png

  Brennweite Okular:       30mm                        15mm                             7.5mm

2. Gesichtsfeld: Das ist der Teil des Himmels, den man durch ein Okular sehen kann. Ein Okular mit  grossem Gesichtsfeld zeigt bei gleicher Vergrösserung mehr vom Himmel.

3. Augenabstand: Je kleiner der Augenabstand, desto näher muss man mit den Augen an das Okular, um ein optimales Bild zu erhalten. Ein grosser Augenabstand ist somit bequemer und für jene, die mit Brille beobachten möchten, sehr wichtig.

Die Hülsen der Okulare gibt es grundsätzlich in zwei Durchmessern: 1.25 Zoll und 2 Zoll. Die 2-Zoll-Okulare bieten dabei ein grösseres Gesichtsfeld.

Wenn man sich nicht gleich eine ganze Batterie Okulare anschaffen möchte, gibt es auch die Option von Zoom-Okularen, die gleich mehrere Brennweiten (z.B. 8-24mm) zur Verfügung stellen.

Bei Okularen lohnt es sich nicht, zu sparen. Lieber weniger, aber gutes Material anschaffen! Wer sich ein gutes Teleskop zulegt und dann bei den Okularen knausert, handelt gleich wie jemand, der sich einen Ferrari kauft, der von einem Mofa-Motörchen angetrieben wird. 
 
Sucher

Ein Teleskop zeigt im Okular jeweils nur einen sehr kleinen Ausschnitt des Himmels. Durch das Okular ein Objekt direkt zu finden ist sehr schwierig bis aussichtslos. Dafür benötigt man einen am Teleskop befestigten Sucher, mit dem das Ziel angepeilt wird. Hier werden ein paar verschiedene vorgestellt:

Ein Sucherfernrohr ist eine komfortable Art, Objekte zu finden. Oft mit einem Fadenkreuz ausgestattet, helfen sie, auch bei grosser Lichtverschmutzung die Ziele bereits im Sucher zu erkennen.

Ein Leuchtpunktsucher projiziert einen kleinen Laserpunkt an eine Glasscheibe, mit dem das Ziel anvisiert wird.

Der Telrad-Sucher funktioniert ähnlich wie ein Leuchtpunktsucher, nur dass kein einzelner Punkt, sondern Suchkreise in bestimmten Durchmessern angezeigt werden.

Reiningungsmaterial
 

Eine wichtige Information vorweg: Die Reinigung von optischen Glasflächen sollte wenn irgend wie möglich verhindert werden! Jede Reinigung ist eine Belastung für die empfindlichen Beschichtungen auf den Linsen guter optischer Instrumente. Daher ist der wichtigste Punkt:

Verschmutzungen wenn irgendwie möglich vermeiden!

Konkret bedeutet das:

  • Glasflächen so lange und so oft wie möglich abgedeckt lassen.

  • Darauf achten, dass kein Dreck und vor allem keine Fingerabdrücke auf die Linsen gelangen.

  • Staub ist in kleinen Mengen ist unproblematisch und muss nicht entfernt werden!

Sollte es dennoch zu Verunreinigungen kommen, gibt es Reinigungssets, die eine Reinigung in drei Stufen ermöglicht:​

  1. Kleiner Blasebalg, mit dem Staub und kleine Partikel von der Linse gepustet werden können. Nie auf eine Linse blasen oder hauchen, da immer kleine Speicheltröpfchen in der Atemluft transportiert werden.

  2. Weiches Pinselchen, um kleine Partikel, die mit dem Blasebalg nicht wegbekommen werden, wegzuwischen.

  3. Superweiches Fleece-Tuch mit spezieller Reinigungsflüssigkeit, um z.B. Schweiss-Spuren von Fingerabdrücken zu beseitigen. Diese Reinigungsflüssigkeiten sind extra für optische Oberflächen entwickelt und hinterlassen keine Rückstände.