Sehen lernen!

„Auch das Sehen ist in gewissem Sinn eine Kunst, die erlernt werden muss.“

Quelle: Wiki-Commons

Das sagte Wilhelm Herschel (1738-1822), einer der grössten visuellen Astronomen aller Zeiten und Entdecker des Planeten Uranus.
Das Kleingedruckte ganz gross geschrieben: Ein paar unbequeme Fakten zum Hobby Astronomie!
Durch ein Teleskop etwas zu sehen braucht Übung.

Der berühmte Astronom Wilhelm Herschel brachte auf den Punkt: „Erwarten Sie nicht, beim Schauen schon zu sehen; Sehen ist eine Kunst, die erlernt werden muss“. Mit einem Zehn-Sekunden-Blick  auf einen Planeten oder ein anderes astronomisches Objekt, werden kaum Details erkannt. 

  • Ein guter Amateurastronom beobachtet; er blickt lange auf dasselbe Objekt und versucht, dem oft unruhigen Bild Details zu entlocken.

  • Ein Teleskop ist ein Instrument, dessen Gebrauch gelernt und geübt werden muss. Das Scharfstellen (Fokussieren) und Nachführen braucht etwas Erfahrung. Das Einblickverhalten von manchen Okularen ist etwas gewöhnungsbedürftig. Je höher die Vergrösserung, desto schwieriger wird es, ein ruhiges Bild zu bekommen.

  • Durch die Luftunruhe dauert es manchmal eine Weile, bis man einen guten Blick auf die feinen Details auf einem Planeten oder die Trennung eines eng liegenden Doppelsterns hat. Dafür braucht es Geduld.

  • Feine Details zu erkennen braucht ebenfalls Übung und Geduld. Wenn mehrere Personen das selbe Objekt anschauen, sehen nicht alle gleich viel. Das Erkennen von kleinen Nuancen ist eine Fertigkeit, die erlernt und trainiert werden kann.

  • Es hilft enorm, wenn man bereits weiss, wonach man suchen soll. Heute gibt es eine Fülle von Apps und Programmen (oft kostenlos), mit denen man sehen kann, was es wann und wo zu beobachten gibt. 

  • Was ist mit dem benutzen Gerät möglich? Je nach benutztem Gerät setzt man sich andere Beobachtungsziele.

Ein paar hindernisse...

Achte auf gute Kleidung. Die besten Bedingungen für Amateurastronomen - ausser bei der Sonnenbeobachtung - bestehen nun mal in dunklen und oft kalten Nächten. Dazu müssen Astronomen mit den vielen künstlichen Lichtquellen kämpfen, der sogenannten Lichtverschmutzung. Diese hellt den Himmel auf und macht viele interessante Objekte unsichtbar. Tagsüber aufgeheizte Gebäude geben die Wärme in der Nacht wieder ab, was die Luft zum wabern bringt und das Bild im Teleskop stört. Daher lohnt es sich oft, an einen möglichst abgelegenen, dunklen Ort zu fahren, was auch wieder ein gewisser Aufwand bedeutet.

 

Eine gute Vorbereitung und Planung ist für eine erfolgreiche Beobachtungsnacht sehr wichtig!

Das weltall ist schwarzweiss

Wer beim Beobachten mit Teleskopen Ansichten wie von tollen Fotos unseres Universums erwartet, wird auf den ersten Blick enttäuscht sein. Diese zugegebenermassen atemberaubenden Aufnahmen entstehen durch hoch empfindliche Kameras, stundenlanges Belichten und danach nochmals stundenlanger Nachbearbeitung am Computer mit Bildbearbeitungssoftware wie Photoshop. Unser Auge ist nicht in der Lage, bei schwachen Objekten Farben zu erkennen und auch viele Details sind in der visuellen Astronomie nicht erkennbar.

Hier ein Vergleich, wie die Andromeda-Galaxie (M 31) durch ein mittelgrosses Teleskop an einem relativ dunklen Ort visuell gesehen wird (links) und eine stark bearbeitete Langzeitaufnahme (rechts).

Quelle: Stefan Westphal, astrofreunde-franken.de

Messier 31 - Adam Evans.jpg

Quelle: Adam Evans - Wikipedia

Wieso trotzdem Visuelle Astronomie?

Wieso soll ich also mitten in der Nacht im Dunkeln stehen, wenn ich zu Hause auf dem Sofa umwerfende Farbfotos von Planeten und Galaxien betrachten kann? Aus vielen Gründen:

  • Jupiter, Saturn, die Plejaden oder die Andromeda-Galaxie mit den eigenen Augen zu sehen ist ein ganz anderes Erlebnis, als nur Bilder davon anzuschauen. 

  • Du siehst mit eigenen Augen Dinge, die nur wenige Menschen vor dir gesehen haben. 

  • Einige Ziele am Nachthimmel sind sehr einfach zu finden: Mond, Planeten, helle Sternhaufen. Aber es gibt auch tausende von sehr schwachen Objekte wie sehr weit entfernte Galaxien oder feine Gasnebel, die sehr viel Geschick brauchen, um gefunden zu werden. Das ist auch eine sportliche Herausforderung!

  • Der Blick in den Nachthimmel ist immer auch ein Blick in die Vergangenheit: Das Licht der Andromeda-Galaxie ist 2.5 Mio. Jahre unterwegs, bis es bei uns ankommt. Das heisst auch, dass wir beim Anblick dieser Galaxie 2.5 Mio. Jahre in die Vergangenheit blicken, also in eine Zeit, in der die Menschen noch nicht mal auf der Erde waren.

Wenn du dich von den unannehmlichkeiten nicht abschrecken lässt, hast du ein Hobby, das keine Wünsche offen lässt: du bist oft draussen in  der Natur, beobachtest wunderschöne und gleichzeitig spannende Objekte (und machst dabei eine Zeitreise bis zu mehreren Millionen Jahre in die Vergangenheit). Du beschäftigst dich mit den Naturwissenschaften Astronomie, Physik, Mathematik und Chemie und arbeitest mit tollen Teleskopen und anderen optischen Geräten.
Beobachten mit verschiedenen mitteln

Wir benutzen nicht für alles, was wir am Himmel beobachten können, dasselbe Werkzeug. Grossflächige Sternbilder und viele Asterismen sehen wir uns am besten mit blossem Auge an. Einige Objekte sind ideal für Ferngläser, da sie nur eine kleine Vergrösserung erfordern.  Und wieder andere sind so klein, dass erst die Vergrösserungskraft eines Teleskops Details sichtbar macht. Die in diesem Buch vorgestellten Ziele werden mit folgenden drei Symbolen in Gruppen eingeteilt, die man am besten mit blossem Auge, mit Fernglas oder Teleskop beobachtet.

Astronomie kann man mit sehr einfachen Mitteln betreiben. Ja sogar von blossem Auge lassen sich schon viele Dinge am Himmel entdecken: Der Mond mit seinen verschiedenen Phasen, der Lauf der Planeten, Sterne und Doppelsterne, Konstellationen sowie Asterismen. Auch sehr grosse und helle Sternhaufen wie die Plejaden und Hyaden, ja sogar eine Galaxie, die Andromedagalaxie, ist von blossem Auge sichtbar.

Mit dem Fernglas sehen wir schon einiges mehr: auf dem Mond können wir hunderte von Kratern und dunkle „Meere' unterscheiden, wir sehen die vier grossen Monde des Jupiter, erste Doppelsterne lassen sich trennen, viele offene Sternhaufen und auch Kugelsternhaufen werden sichtbar. Wir können Doppelsterne voneinander trennen und an dunklen Orten auch schon helle Nebel erahnen.

Mit dem Teleskope steht einem das ganze Weltall offen: auf der Sonne lassen sich Protuberanzen und andere Details beobachten, auf dem Mond werden einzelne Krater, Täler, Gebirge mit vielen Details sichtbar. Auf  Planeten wie Jupiter und Saturn sehen wir verschiedenfarbige Bänder und riesige Wirbelstürme. Und schliesslich die Stern:  Doppelsterne, offene Sternhaufen, Kugelsternhaufen, Galaxien, Nebel