Der Urknall

Die Urknalltheorie ist bekanntermassen die aus wissenschaftlicher Sicht weitgehend akzeptierte Erklärung für die Entstehung unseres Universums. Ihr zufolge hat sich dieses von einem mikroskopisch kleinen Punkt mit unendlich hoher Dichte in Sekundenbruchteilen in ein räumliches Geflecht zersprengt, das sich bis heute in die Unendlichkeit ausdehnt.

 

Die Entdeckung eben dieser Ausdehnung bildet den Ausgangspunkt der Unrknalltheorie. 1929 war der US-Astronom Edwin Hubble in seine aufmerksamen Beobachtungen entfernter Galaxien vertieft. Er wollte herausfinden, ob sich diese durch Gravitation verbundenen Sternensystem bewegten. Und wenn ja, wohin. Hubbles Beobachtungen gehören zu den revolutionärsten Entdeckungen in der Geschichte. Er bewies, dass sich die Galaxien voneinander entfernen und mit wachsender Distanz zur Erde sogar an Geschwindigkeit zulegen. Ausgehend von der Geschwindigkeit dieser Ausdehnung haben Forscher berechnet, dass die Galaxien vor etwa 10 bis 15 Milliarden Jahren so dicht beieinander lagen, dass sie womöglich einen einzigen Punkt im All bildeten - eine sogenannte Singularität. 

 

Die ersten Beweise für diese Theorie wurden 1965 gefunden, als Forscher eine schwache Hintergrundstrahlung im All massen, die auch als kosmische Mikrowellenstrahlung bezeichnet wird. Ihre Existenz wird bis heute als Reststrahlung eines explosiven kosmischen Ursprungs gedeutet - sozusagen als Nachklang eines lauten ersten „Knalls“. 

 

Seitdem haben sich viele Menschen die Frage gestellt, was dann vor diesem Urknall gewesen sein soll. Die Suche nach einer Antwort führt uns zu Einstein und seiner revolutionären Entdeckung, dass Raum und Zeit keine voneinander isolierten Dimensionen sind. Sie scheinen vielmehr zu einem vierdimensionalen „Geflecht“ verwoben, das Einstein als Raumzeit bezeichnet. In diesem Geflecht bewegen sich alle Körper und Lebensformen des Universums. 

 

Einstein fand auch heraus, dass diese Raumzeit nicht unveränderlich ist, sondern sich um Objekte mit besonders hoher Dichte herum krümmt - wie das Gewebe einer dicken Schaumstoffmatratze, die unter dem Gewicht einer schweren Bowlingkugel nachgibt. Daher können Objekte mit besonders hoher Dichte - z.B. die berühmten schwarzen Löcher - die Raumzeit so gewaltsam krümmen, dass die Zeit buchstäblich still steht.

 

Wenn also irgendwann einmal in ferner Vergangenheit alle Bestandteile unseres heutigen Universums in einem einzigen winzigen Punkt mit unendlich hoher Dichte vereint waren, dann gab es dort weder Raum noch Zeit, wie wir sie verstehen. Es kann daher nichts vor dem Urknall gegeben haben, weil es die Zeit schlichtweg noch nicht gab. Es gab keine Zeit, in der irgendeine Ursache zu irgendeiner Art von Wirkung hätte führen können.